Homepage von Albert Hirschbichler

Geschichten und Bilder

 Rund um die Zugspitze 2

mit dem Handbike

(Tourdatum 16.9.2018)

 

Im Mai 2016 waren wir schon mal dort. Schöne Tour. Wermutstropfen ein Verhauer am Kleinen Kranzberg und Rückfahrt von Elmau über Klais. Die Originalroute führt durch das Gelände oberhalb der Partnachklamm mit Abfahrt zum Klammende. Das wollte ich auch nochmal kennenlernen. Also das Ganze nochmal von vorn! Rund um die Zugspitze zum 2.

 

Diesmal bin ich allein.

Um 8.15 fahre ich in Garmisch am Parkplatz der Sprungschanze los. Entlang der Bahntrasse und über Wiesen komme ich in kurzweiliger Fahrt nach Grainau. Der folgende Radweg entlang der Loisach ist asphaltiert und schön zu fahren, bis auf der österreichischen Seite der Asphalt endet. Dann wird´s teilweise grob schottrig und es mag nicht mehr so recht vorangehn. Beim letzten Mal fuhren wir auf der Straße weiter. Heute jede Menge Verkehr, geht nicht, zu gefährlich.

Länger als gedacht brauche ich zur Talstation der Erwaldbahn, aber es sind ja immerhin 30 km und 400 Höhenmeter. 11.30 Uhr ist es schon als ich endlich ankomme. Kruzitürken, wo ist die Zeit geblieben?

Ich fühle mich ziemlich matt und mache eine Pause. Die bekannten 400 steilen Höhenmeter liegen vor mir. Weiter. Irgendwie fehlt mir heute die Kraft. Ich muss mich plagen und oft stehenbleiben. Ich überlege schon die ganze Sache abzublasen, aber schließlich komme ich doch zur Ehrwaldalm auf 1520 Meter, wo sich bereits jede Menge Touristen von den Strapazen der Seilbahnfahrt erholen.

Auf der Terrasse ist kaum noch ein Platz zu kriegen. Gleich weiterfahren? Nein. Ich brauche eine Pause. 

Ich bestelle ein Getränk und eine Frittatensuppe. Die Schorle kommt bald aber die Suppe dauert ewig. Und ich muss doch weiter!

Jetzt fangen auch noch zwei mit Singen und Jodeln an. Er mit Lederhose und Zieharmonika, sie in einer Dirndlimitation. Es ist schauerlich. Suppe abbestellen geht auch nicht. Ich kann nicht weg. Irgendwann kommt die Suppe doch.

Schnell zur Hälfte ausgelöffelt... Nichts wie weg von hier! 


Nicht weit ist es zum Höhenrücken, hinter dem das Gaistal liegt und von wo es nur noch bergab geht. 

Nach Leutasch hinunter fahre ich langsam und schaue mir die wundervolle Landschaft an. Von dort in Richtung Mittenwald folge ich der Straße. Meistens geht es leicht bergab und ich komme gut voran. Durch die Geisterklamm fahre ich, der Gegenanstieg zum Lauter- und Ferchensee fällt mir heute leichter als beim letzten Mal. An der Abzweigung wo wir damals falsch fuhren mach ich zur Erinnerung ein Bild. Nach Elmau geht es wirklich nur bergab, wenn man den richtigen Weg nimmt.

Elmau. Fast geschafft denke ich. Jetzt nur noch über Hintergraseck nach Vordergraseck hinüber rollen, vielleicht ein paar kleine Anstiege noch, und dann hinunter zum Parkplatz.

So stellte ich mir das vor. Von einem Wanderparkplatz geht es zunächst bergab. Und das ganz schön weit. Dafür geht’s nach einer Kurve über einen Bach wieder bergauf. Und wie! Ich komme nicht weit, dann ist die Traktion überfordert. Da steh ich jetzt. Was tun? Zurück? Da gehts ganz schön weit bergauf. Und dann könnte ich nur wieder über Klais zurück fahren. Oje. Und ziemlich spät ist es auch schon. Weit und breit kein Mensch. Auf einmal kommen doch noch zwei Biker daher. Es ist mir peinlich, aber ich muss um einen kleinen Schub bitten.


Etwas weiter geht’s wieder allein und die beiden fahren weiter. Es geht ordentlich bergauf, aber ich fahre ohne stehenzubleiben. Vermutlich bin ich so kaputt, dass ich es nicht mehr merke. Es kommen dann noch mehrere Passagen, die ich allein nicht geschafft hätte. Aber die beiden warten jeweils. Meine Retter. Auch die Wegverhältnisse hätte ich mir anders vorgestellt. Vor Hintergraseck ist es eigentlich nur noch eine Traktorspur im Steilhang. Kurz vor den Häusern kommt dann die steilste Stelle überhaupt. Alleine unmöglich. Dann ist es geschafft. Von dort geht es auf einem besseren Weg hinab nach Vordergraseck. Dass von dort eine steile Betonrampe hinunter zum Ausgang der Partnachklamm führt, das wusste ich. Es ist wirklich steil. Zum Angst haben. Ein paar Serpentinen. Ich fahre halbes Schritttempo. In jeder Kurve raucht die Scheibenbremse und ich muss zur Abkühlung stehenbleiben. Ein Bremsversagen würde ein Handbiker vermutlich nicht überleben. Auch bei Nässe könnte man nicht fahren. Zum Glück ist es trocken und ich komme heil unten an. Meine Nerven!

Ein letztes Mal warten meine Retter. Zwei Garmischer. Wir verabschieden uns. Was wäre aus mir geworden wenn sie nicht dahergekommen wären? Mein ewiger Dank gebührt ihnen jedenfalls! Vielleicht lesen sie das ja mal zufällig.

Wenig später bin ich beim Auto und leere erst mal in einem Zug eine Flasche Orangensaft.

Wenn einer glaubt dass man als Schwerbehinderter keine Abenteuer mehr erleben kann, der täuscht sich.

 


Bilder
1  In einem heissen Sommer trocknet der reizvolle Igelsee fast aus.
2  Im Gaistal.
3  Zum Lauter- und Ferchensee warten Gegenanstiege. 
4  Weggabelung  beim Ferchensee. Links geht´s nach Elmau, rechts zum Kleinen Kranzberg.