Homepage von Albert Hirschbichler

Geschichten und Bilder

27.5.2016

Mit dem Handbike rund um die Zugspitze

 

Wecker kennen keine Gnade. Sie läuten und wenn es 4 Uhr morgens ist. Aber heute ist ein früher Aufbruch ratsam. Gut zwei Stunden Anreise nach Garmisch-Partenkirchen liegen vor uns, bevor es mit unserem Projekt, mit den Handbikes die Zugspitzrunde zu umrunden, losgehen kann. Als Treffpunkt mit Toni und seiner Frau Gitti, die von Augsburg her kommen, wird der große Parkplatz am Olympia-Eisstadion vereinbart. Dort angekommen, gedenke ich erst einmal ein kräftigendes Müsli-Frühstück einzunehmen. Schüsselchen, Löffel, Milch, Zucker, Bananen, alles hab ich eingepackt, nur nicht das Müsli. Das geht ja gut los. Ein kümmerlicher Müsliriegel als Frühstück ist die angemessene Strafe für meine Vergesslichkeit.

 

Pünktlich kommen auch die beiden anderen an. Um 8 Uhr fahren wir los. Ein gepflegter Radweg führt entlang der Loisach, leider hört der Asphaltbelag dann auf. Ein Stück befahren wir den folgenden Schotterweg, als das gar nicht aufhören will weichen wir auf die B 23 aus. Nach Ehrwald geht es immer leicht bergauf und 25 Kilometer sind es auch. Das Fahren auf der verkehrsreichen Straße ist nicht so lustig, froh bin ich als endlich Ehrwald auftaucht. Zur Talstation der Ehrwalder Bahn nimmt die Steigung zu. Mein Frühstücks-Müsliriegel scheint verbraucht zu sein und ich fühle mich ziemlich matt. Hier schon, was soll das! Bei der Bahn machen wir erst mal Pause und es geht mir gleich wieder besser. Zum Glück, denn hier beginnt das Asphaltsträßchen, das durchwegs steil 500 Höhenmeter zur Ehrwalder Alm hinauf führt.

 

Durch lichten Wald unter den Wänden des Wetterwandecks geht es dahin, es ist wirklich steil.

Oft bleiben wir stehen, anders geht das nicht. Ein Scherzbold auf seinem Mountainbike meint, dass wir es gut hätten, weil wir die Beine schonen können. Er selber plagt sich aber auch nicht schlecht mit seinem Schmerbauch. Schließlich das Almgelände, das mir schon von der Webcam her bekannt ist. Vier Tage zuvor war noch alles weiss, 10 cm Neuschnee nach Wettersturz. Aber davon ist nichts mehr übrig. Auf der sonnigen Terrasse der Ehrwalder Alm machen wir erst mal eine ausgiebige Pause. 100 Höhenmeter auf Sand und Schotter fehlen noch zum höchsten Punkt auf 1600 Meter, von wo es fast nur noch bergab geht bis Mittenwald. Das Knödlduo in meinem Bauch drückt ziemlich beim Losfahren, zum Glück ist es nicht mehr weit. Endlich oben! Auf der anderen Seite geht es hinab ins Gaistal, eine komfortable Sandstraße, nie steil. Vorbei am Igelsee geht es, die Landschaft ist selten schön, wir brauchen nur zu rollen und schauen.

 

Weiter unten kommen wir auf die Asphaltstraße nach Leutasch. Im Tal der Leutascher Ache geht es weiter in Richtung Mittenwald. Die Landschaft ist immer noch wundervoll, ein weites Tal, überall Blumenwiesen, hoch droben die Kalkgipfel der Wettersteinberge. Für den Handbiker erfreulich ist außerdem, dass es immer leicht bergab geht, wir kommen mühelos und rasch voran. Eine Engstelle vor Mittenwald, die Geisterklamm, dort geht es etwas steiler hinunter. In Mittenwald merken wir, dass wir leider an der Abzweigung zum Lauter- und Ferchensee vorbei gefahren sind. Mist. Also noch mal zurück. Aber weit ist es nicht. In einer Kurve ist die Abzweigung. Der Anstieg sah im Höhenprofil harmlos aus, aber es ist weiter als gedacht. Es ist gnadenlos heiß und der Frischeste bin ich auch nicht mehr. Nach dem Ferchensee verfahren wir uns auch noch und fahren auf Forststraßen am Kleinen Kranzberg herum. Immer weiter geht es bergauf. Ich habe die Beschreibung nur im Kopf. Irgendwas stimmt da nicht. Schließlich kommen wir doch nach Elmau. Ärgerlich, besonders als wir dort erfahren, dass es vom Ferchensee nach Elmau auf dem richtigen Weg nur bergab gegangen wäre. Laut Beschreibung ginge es von dort ins Reinthal und auf dem Hohen Weg zurück nach Garmisch, mit einem Gegenanstieg von gut 200 Metern. Das Wetter sieht gewittrig aus und rechte Lust hat auch keiner mehr nach dem blöden Ausflug zum Kleinen Kranzberg. So beschließen wir, nach Klais hinab und von dort nach Garmisch zurück zu fahren. Ein Gegenanstieg wartet noch, bevor es endlich bergab geht auf der für den G7 Gipfel 2015 neu asphaltierten Zufahrtsstraße zum Schloss Elmau. 200 Milliönchen kostete das zweitägige Treffen, wo wahrscheinlich eh wieder nichts Gescheites herausgekommen ist. Das hätte man billiger haben können! Aber uns fragt ja keiner. Egal. Bald kommen wir nach Klais. In unerfreulich weiter Entfernung sieht man von dort die Zugspitze stehen. Erfreulicherweise findet sich aber ein schöner Radweg und noch erfreulicher ist, dass es bis Garmisch fast nur bergab geht. Die Gewitterwolken über Mittenwald, wo wir hergekommen sind, holen uns auch nicht mehr ein. Eine große Unternehmung mit großartigen landschaftlichen Eindrücken liegt hinter uns. Erfreulich auch, dass die Kräfte noch so weit reichen. Weil die jüngsten sind wir auch nicht mehr mit unseren zusammen bald 117 Jährchen (ohne Begleitfrauen). 

Zur Statistik wäre noch anzumerken, dass wir 88 Kilometer und so um die 1500 Höhenmeter gefahren sind.

 

 

Bilder

1 Das Asphaltsträßchen zur Ehrwaldalm hoch ist steiler als es aussieht.

2 Kurz vor dem höchsten Punkt auf 1600 Meter. Auch dem Anton reicht´s langsam. 

3 Hinunter geht´s durchs Gaistal nach Leutasch. Vorbei am reizvollen Igelsee.