Homepage von Albert Hirschbichler

Geschichten und Bilder

Der kleine Beziehungsratgeber

von Dr. A. Hirschbichler


Zehn Gründe einen Rollstuhlfahrer zu angeln

 

Sehr geehrte Damen,

haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Rollstuhlfahrer in ihr Beuteschema aufzunehmen? Nein? Das denke ich mir. Was soll ich denn mit so einem - als ob ich nicht schon genug Ärger am Hals hätte, werden sie sich denken. Aber halt! Nicht so voreilig! Lesen sie erst einmal weiter!

 

Lohnende Aufgabe

Vielleicht haben sie, wie so viele Frauen, schon Jahre investiert in die Umerziehung eines Mängelwesens „Mann“, Jahre vertan mit dem Anliegen aus irgendeinem Typen ein beziehungsfähiges Geschöpf zu bilden. Etwas Brauchbares, womit sie mehr Freude als Ärger haben. Wenn dem so ist und der Erfolg ausgeblieben ist, warum probiern sie´s nicht einmal mit einem Rollstuhlfahrer? Eine Beziehung mit einem Rollstuhlfahrer ist in jedem Fall eine lohnende Aufgabe! Die durchaus ihre Reize hat. Mit einem normalen Mann (meine mit einem Fußgänger), das kann jede!

 

Exklusivität

Rollstuhlfahrer sind Minderheiten. So haben sie mit Sicherheit keinen Allerweltstypen. Die Wahrscheinlichkeit in der Bevölkerung in den besten Jahren (20-40) im Rollstuhl zu landen liegt bei etwa 1 : 10 000. Allein durch seine Seltenheit ist ein Rollstuhlfahrer damit etwas ganz besonderes. Eine Rarität. Ein Einzelstück. Ihr Beziehungsleben gewinnt damit in jedem Fall an Exklusivität.

 

Parkplätze und Eintrittsermäßigungen.

Haben Sie es auch satt, dauernd keine Parkplätze zu finden und wenn dann nur kostenpflichtige? Mit einem Rollstuhlfahrer kein Problem. Sie parken direkt vor dem Kino oder am Anfang jeder Fußgängerzone.

Stellen sie sich vor: es ist Eröffnung der Salzburger Festspiele, die ganze Innenstadt gesperrt. Natürlich nicht für die Reichen und die Schönen. Die fahren direkt vors Festspielhaus, klaro. Da stehen sie dann, sauber aufgereiht, die Limousinen der Prominenz, schwere Mercedes und Audi, schwarz. Industriekapitäne, die hohe Politik, alle sind da. Nicht einmal Thomas Gottschalk mit seinem schnuckeligen Rolls Royce fehlt. Das Publikum staunt und klatscht.

Und dann kommt ihr Gspusi mit seiner Klapperkiste, sie auf dem Beifahrersitz, fährt an allen vorbei, zum Behindertenparkplatz direkt vor dem Festspielhaus. Die Gendarmen vom Sondereinsatzkommando glauben sie sehen nicht richtig. Maschinengewehre im Anschlag hält man sie auf. Aber sie halten nur lächelnd den Behindertenausweis ans Fenster und weiter geht’s. Ha! Das kann nur ein Rollstuhlfahrer bieten! Na meine Damen, wär´ das nix für sie?

 

Bewunderung und Aufmerksamkeit

Bewundernde Blicke sind ihnen sicher, wenn sie an der Seite ihres Rollstuhlfahrers durch die Fußgängerzone schlendern. Das gilt umso mehr, je besser sie aussehen. „Schau diese Frau, bewundernswert, jede andere hätte ihn verlassen, den armen Rollstuhlfahrer, aber sie ist bei ihm geblieben, obwohl sie an jedem Finger zehn Verehrer haben könnte, so wie die aussieht“. So werden die meisten denken. Und haben keine Ahnung was ein Rollstuhlfahrer alles zu bieten hat.

 

Sinn fürs Wesentliche

Keiner hat so hautnah erfahren wie schnell das Leben vorbei sein kann. Rollstuhlfahrer haben dadurch eine Grundhaltung dem Leben gegenüber, von der sie, ja die ganze Menschheit, nur lernen können. Die Nichtigkeit menschlichen Strebens. Der Tanz ums goldene Kalb. Ruhm, Ehre, Bewunderung, Karriere... alles Quatsch. Kein Hahn kräht danach wenn das Jenseits naht, das schwarze Nichts. Das letzte Hemd hat keine Taschen. So denken Rollstuhlfahrer. Damit ist die Basis für Großherzigkeit und Freizügigkeit geschaffen, die wem zugute kommt? Ihnen natürlich, wem sonst. Dass Leben hat die Rollstuhlfahrer gelehrt, nicht mehr so viel an die Zukunft zu denken. An die Vergangenheit auch nicht. Vergangenheit ist nicht mehr, Zukunft ist noch nicht, was bleibt? Die Gegenwart, ja meine Damen. Und die will der Rollstuhlfahrer auskosten. Mit wem? Mit ihnen natürlich.

 

Sport

Rollstuhlfahrer und Sport? Wie soll das denn gehen? Mit den Beinen ist nicht mehr viel los. Ganz richtig. Aber da gibt’s ja immer noch die Arme. Und mit denen kann man Rad fahren, Skifahren und Langlaufen. Jawohl. Und das ganz schön weit. Bedenken Sie mal wie das so ist: Sport mit „normalen“ Männern ab 50? Der normale Mann (ich meine Fußgänger) in dem Alter hat in der Regel alles erreicht: Haus gebaut, Karriere kommt nicht mehr viel, Kinder aus dem Haus, Ehe dümpelt vor sich hin. Was macht der normale Mann in so einer Situation? Er gibt noch mal so richtig Gas. Wo? – wenn nicht genügend Geld für Porsche und junge Geliebte – im Sport! Will sich noch mal was beweisen. Rennt wie blöd auf Berge hoch oder fährt mit dem Rad. So weit wie möglich, so schnell wie möglich. Am Ziel zuerst Blick auf die Uhr. Wie schnell war ich heute? Im Vergleich zum letzten Mal. Im Vergleich zum Sportsfreund Erwin. Stress pur. Und da wollen sie mit? Vergessen sie´s! Frauen sind da anders. Radfahren ja. In schöner Landschaft, wenn die Sonne scheint, gemütlich, Stehen bleiben wo die Aussicht schön ist, ein Päuschen in der Wiese, in der Sonne liegen. Ja, so stellt sich Frau Sport in den besten Jahren des Lebens vor. Und wer ist da der ideale Begleiter? Drei mal dürfen sie raten.

 

Geld

Auweh, werden Sie denken. Da wird’s nicht gut ausschaun. Oft arbeiten Rollstuhlfahrer nicht mehr oder nur noch weniger. Aber vergessen sie nicht: da gibt’s Unfallversicherungen, Zusatzrenten, Schmerzensgelder usw. Man kann nichts Generelles sagen. Es gilt die Regel: je weniger einer über Geld redet oder rumposaunt was er alles hat, umso besser schaut´s oft aus mit der Kohle. Das gilt für alle Männer. Aber wie es um die Konten tatsächlich steht, da ist einmal mehr ihr weiblicher Spürsinn gefragt. Wie dem auch sei. Sie können in jedem Fall davon ausgehen, dass Rollstuhlfahrer nicht mehr sparen sondern vielmehr immer bestrebt sind, der Geliebten (ihnen?) die Wünsche von den Augen abzulesen.

 

Sex

Tja nun kommen wir zu einem leidigen Thema. Was sie bisher gelesen haben, hat ihnen die Sache vielleicht schmackhaft gemacht. Klingt doch alles gar nicht so übel. Aber nun: Rollstuhlfahrer, Querschnittslähmung, kann die Beine nicht bewegen, und da ist doch noch was? Der kleine Unterschied. Dem geht’s wahrscheinlich genauso. Gelähmt. Oje. Sex? Das war´s dann. Nie mehr... Wer soll das aushalten? Auch wenn sie zur Mehrheit der Frauen gehören, die lieber shoppen als poppen. So gelegentlich kann es doch nicht schaden! Aber halt! Wer wird denn gleich die Flinte ins Korn werfen? Es ist wie mit der Kohle. Man kann nichts Allgemeines sagen. Alles ist möglich. Wie soll das gehen? Ein Wunder? Eine übersinnliche Erscheinung? Ein paranormales Phänomen? Ein böser Zauber? Nein, nichts von alledem, die Antwort heißt „inkomplett“. Das menschliche Rückenmark ist ein Kabel mit 200 Millionen Einzelfasern. Und da sind einige kaputt, andere nicht. Mit etwas Glück führen auch zum besten Stück ihres Rollstuhlfahrers noch ein paar Nerven hin. Kein Wunder also, alles natürlich erklärbar. Biologisch. Sie sollten also einen Rollstuhlfahrer, sofern er gepflegt daherkommt und einigermaßen anständige Manieren aufweist, in jedem Fall einer ausgiebigen Testung unterziehen. Lieber Shoppen als Poppen? Nicht auszuschließen dass sich die Präferenz schlagartig wandelt.

 

Meine Damen, lassen sie sich das noch mal durch den Kopf gehen. Bei der Seltenheit von Rollstuhlfahrern ist jede Gelegenheit vielleicht die letzte. Sollten Sie wirklich einmal das Glück haben, dass einer in ihrer Nähe vorbei rollt, überlegen sie nicht lange. Schnappen sie sich den Kerl!

 

Aber das ist noch nicht alles:

 

Sicherheit

Ja meine Damen, wenn sie mit irgendeinem Typen mal mit nach Hause gehen, auf einen Drink noch oder weil er ihnen seine Briefmarkensammlung zeigen  will, sie wissen wie gefährlich das ist. Mit Recht trauen sie der Sache nicht. Dass viele Männer mehr Hirn zwischen den Beinen als im Kopf haben, das brauch ich ihnen ja nicht zu sagen. Als Frau wissen sie das schon selber.

Nun zum Rollifahrer. Stellen sie sich vor: Sie sind wirklich in seine Wohnung mitgegangen –warum nicht – und sitzen gemütlich am Kanapee, ein netter Film läuft, der Rollifahrer ist mühsam aus seinem Rollstuhl zu ihnen rüber gewechselt, aufs Kanapee, der Film ist wirklich sehenswert, was mit Helden und tragischer Liebe, aber es passiert das was sie nie für möglich gehalten hätten: der Rollifahrer kommt auf dumme Gedanken, eine Hand rutscht auf ihr Knie, was tun? Mit einem normalen Mann (gemeint ist wieder ein Fußgänger), wäre die Situation bedenklich, dem kämen sie nicht mehr so leicht aus. Sie säßen sozusagen in der Falle. Anders mit dem Rollstuhlfahrer: Sie rutschen einfach einen Meter zur Seite oder eben so weit seine Arme reichen und sind aus der Gefahrenzone. Entspannt können sie den Film zu Ende schauen. Sollte der Rollstuhlfahrer auf die Idee kommen ihnen nachzurutschen, stehn sie einfach auf und gehen zum anderen Ende des Kanapees. Ist das nicht praktisch? So macht Fernsehen mit einem fremden Mann Spaß.

Was anderes ist es natürlich, wenn sie sich, wenn der Rollstuhlfahrer die Hand auf ihr Knie legt, zuvor schon die ganze Zeit gedacht haben wann legt er jetzt endlich die Hand auf mein Knie. Dann sind diese Zeilen hinfällig.


Und zu allerletzt:

Selber wäre ich da nicht drauf gekommen aber eine Frau wies mich darauf hin: Es geht um den Fall, wenn das mit der Hand auf dem Knie weiter geht und in der Flachlage endet. Als Frau müssen sie immer damit rechnen dass ein Typ aufsteht und geht wenn er genug hat. Auch wenn es ihnen noch lange nicht reicht... Mit einem Rollstuhlfahrer kann ihnen das nicht passieren. Dazu brauchen sie nur seinen Rollstuhl ein paar Meter neben das Bett zu stellen. So bestimmen sie und nur sie wann es genug ist. Es reicht wenn sie ihm alle paar Stunden eine Kleinigkeit zum Essen bringen, einen Energieriegel oder sowas, Rollstuhlfahrer sind in der Regel, was die Ernährung betrifft, sehr genügsam.

                                                                                                                                                                                    11/2017


Nachbemerkung: 

Eine der schwierigsten Turnübungen, an der sogar Turn-Olympiasieger 

scheitern, ist immer noch, sich selbst auf den Arm zu nehmen...