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Geschichten und Bilder

Anmerkung

Am 21. 7. 2018 vermeldete das Reichenhaller Tagblatt dass der BR einen Film über die (selbsternannten) Schamanen des 

Berchtesgadener Landes dreht. Da ich die Aktivitäten dieser Personen seit längerer Zeit mit wachsendem Befremden 

beobachte, befleißigte ich mich ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten zur Verfassung des folgenden Leserbriefes, 

der freundlicherweise auch gleich am 23.7. gedruckt wurde: 


Das Irrationale hat Hochkonjunktur

Leserbrief zum Artikel „Schamanen vor der Kamera“

vom 21. 7. 2018

 

„Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als das was man sehen und anfassen kann, Geister und weise Frauen, Hexen, Zauberer, Feen Kobolde und geheimnisvolle Kräfte. Davon waren Menschen einst überzeugt - und manche sind es noch heute.“ So die ersten Zeilen des Artikels. Wenn man bedenkt dass unseren Sinnesorganen nur ein winziger Ausschnitt der uns umgebenden „Realität“ zugänglich ist, kann Ersterem uneingeschränkt zugestimmt werden. Aber Geister, Zauberer, Kobolde? Wenn Menschen im Mittelalter an sowas geglaubt haben, na ja, heute sollte – wie mir scheint – eine vernunftbegabte, Wissenschaft treibende Menschheit von solchen Glaubensinhalten Abstand nehmen. Das gleiche gilt für unerklärliche Zeitphänomene, Untersberg-Mandln, Spiegelwelten usw., Phänomene, die sich angeblich ja speziell in unserem schönen Untersberg manifestieren sollen. Wer, wie offenbar manche „Alpenschamanen“, an so etwas heute noch glaubt, scheint mittelalterlichem Denken nicht wirklich entwachsen zu sein. Aber eins sollte doch klar sein: Diese „Nebenwelten“ existieren nur in den Köpfen der Schamanen und sonst nirgendwo! Auch wenn diese für sich beanspruchen, Zugang zu diesen Nebenwelten zu besitzen und als Vermittler zwischen ihnen und der normalen Welt fungieren zu können. Die naturwissenschaftlich orientierte Erkenntnissuche lieferte grandiose Einblicke in die Welt des Allerkleinsten (Elementarteilchen) bis zum Allergrößten (Sterne, Galaxien). Dennoch ist der Bedarf an „paranormalen Nebenwelten“, der heute von einem unüberschaubaren Esoterikmarkt (dem auch der Alpenschamanismus zuzurechnen ist) bedient wird, ungebrochen. Über die Frage, welche Sehnsüchte, Defizite oder Bedürfnisse des modernen Menschen dahinter stecken, ist schon viel geschrieben worden (z.B. Johannes Fischler: New Cage. Esoterik. Wie sie die Kassen füllt und die Köpfe leert). Dem kann hier nicht weiter nachgegangen werden. Die Alpenschamanen und ihre Anhänger sollten jedenfalls die Inhalte von Volksmythen und Sagen nicht zu sehr mit der Wirklichkeit verwechseln.

Albert Hirschbichler, Bad Reichenhall