Homepage von Albert Hirschbichler

Geschichten und Bilder

Anonyme Audiophiliker
(in Anlehnung an AA)
Ich denke dass es nun an der Zeit ist mich bzgl. eines langjährigen Problems zu outen: 

Mein Name ist Albert und ich leide an Audiophilie seit 40 Jahren.

Als es losging, kaufte ich mit dem ersten Sold bei der Bundeswehr meine erste Stereoanlage.


Es war ein Sony Cassettendeck mit Denon Verstärker und Pilot-Boxen.

 

Die Krankheit verlief dann längere Zeit schleichend und unauffällig, nicht zuletzt wegen Geldmangels.

 

Vor fünf Jahren kam es zu einem Schub.

 

Warum weiss ich nicht, aber Gedanken an unverfälschten Klang setzten sich in meinem Kopf fest und gingen nicht mehr raus.

 

Alle Versuche, das wieder loszuwerden scheiterten. Die Lautsprecher-Abteilung beim Saturn im Europark zog mich an wie eine Motte das Licht. Der vorgesehene Etat wurde von Woche zu Woche erweitert. Eine Art Kontrollverlust. Aber es hätte schlimmer kommen können.

 

Zum Glück lag die Preisobergrenze für Lautsprecher beim Saturn nicht in existenzbedrohlichen Bereichen.

 

Die Boxen von Elac, die ich mir ausgesucht hatte, waren teuer genug. Leider fand ich daheim einen Testbericht, dass die Focal-Boxen, die dort auch herum standen, noch besser klängen.

Die waren natürlich noch teurer. Weit außerhalb des Etats, aber mittlerweile war mir alles egal.

Und so stehen sie nun in meiner Bude, meine Focal Electra 1028 BE Lautsprecher mit Beryllium Hochtönern. 

 

Die Elektronik von Denon mit 140 Watt Musikleistung schien zunächst ausreichend.

Aber nicht lang. Eine Nachrüstung war unvermeidlich. 

 

Und so bin ich nun im Besitz meines geschätzten T+A Verstärkers „Power Plant balanced“ . Die Leistung von 2 x 250 Watt mit Klirrfaktor < 0,005 scheint ausreichend. Und der dazugehörige Musikplayer macht alles zu Musik was man sich vorstellen kann. Cd´s, Radio, Usb-Sticks, i-pod und Internetradio. Das ist schön.

 

Eine gewisse Schwäche im Bassbereich, die mir schlaflose Nächte bereitete, konnte durch Anschaffung des Subwoofers Nubert NuLine 600 behoben werden.

 

Seitdem habe ich meinen Frieden gefunden und die Krankheit soweit im Griff.

Suchtdruck entsteht in jedem Jahr nur einmal, und zwar auf der High End in München.

In den Hallen dort stehen die besten und teuersten Anlagen der Welt herum.

Ein Treffpunkt für Audiophiliker aus der ganzen Welt.

 

Dort erlebe ich in jedem Jahr wieder starke Impulse, sämtliche Konten und Sparbücher aufzulösen und so eine Anlage mit nach Hause zu nehmen. Habe mich aber soweit im Griff und tue es nicht. Wieder daheim, mach ich immer erst mal meine Anlage an und stelle fest, dass sie doch auch ganz gut klingt. Und bin wieder beruhigt. Für ein Jahr.

 

Ohne Musik möchte ich nicht mehr leben.

Ein Bedürfnis, so wichtig wie Essen, Trinken oder Sex. Wahrscheinlich wichtiger.

 

Vor einiger Zeit stieß ich zur Gemeinschaft der Anonymen Audiophiliker.

 

Dass ich nicht allein bin als Audiophiliker tröstet mich und gibt mir Halt.

Ich sehe dass andere nicht weniger verrückt sind als ich.

Das erleichtert mich.

Ich fühle mich nicht mehr so allein, fühle mich geborgen in der Gemeinschaft.

 

Auch tröstet mich, dass meine Krankheit so schlimm nicht ist. Es hätte schlimmer kommen können. Ich denke an den armen Leidensgenossen, der zwanghaft alles wo was Elektrisches drin ist, in Einzelteile zerlegen muss. Wenn er gesehen hat, was drin ist, baut er alles wieder zusammen. Außerdem zwingt ihn ein böser Geist, alte Tonbandgeräte zu sammeln. Fünfzehn hat er schon, aber das reicht ihm nicht.

 

Für Neueinsteiger hier nochmal unsere Präambel:

Wir, die anonymen Audiophiliker, sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die ein gemeinsames Problem haben: das Bedürfnis nach unverfälschtem Klang.

Dazu werden Meetings abgehalten in denen wir unsere Erfahrungen mit Lautsprechern und Verstärkern austauschen.

Wir wissen, dass eine Genesung ohne ordentliche Lautsprecher und Elektronik nicht möglich ist.

Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch nach unverfälschter Musik.

Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren. Wir sind mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden und wollen uns weder an öffentlichen Debatten beteiligen noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen.

Unser Hauptzweck ist unverfälschten Klang zu hören und anderen zu unverfälschtem Klang zu verhelfen.

                                                                                                                                          (2018)